Walter Kreiser

Der deutsche Flugzeugpionier Walter Kreiser war als Journalist ein früher Whistleblower. Unter verschiedenen Pseudonymen schrieb er in der Weltbühne und berichtete schließlich, wie die Reichswehr in Kooperation mit der Lufthansa bereits in den 1920er Jahren wieder dabei war, heimlich eine Luftwaffe aufzubauen.

Walter Kreiser wurde am 10. Februar 1898 als Sohn eines Metzgermeisters in Heilbronn geboren. Sein Vater starb bereits 1903. Walter besuchte zunächst die Elementarschule in Heilbronn und danach die Oberrealschule. Im Dezember 1914 beendete er seine Schulzeit als Kriegsfreiwilliger – er wurde als Artilleriebeobachter bei verschiedenen Feldflieger-Abteilungen an der West- und Ostfront eingesetzt sowie im Balkan. Dabei wurde er zweimal verwundet und erlitt eine Gasvergiftung.

Mit seinem „Kriegsabitur“ wollte er nach dem Krieg ein Ingenieurstudium beginnen und bereitete sich darauf zunächst als Monteur vor. 1923 begann er dann an der TH Stuttgart ein Studium der Flugzeugtechnik. Außerdem beteiligte er sich an Segelflügen in der Rhön und engagierte sich im Stuttgarter Flugtechnischen Verein. Doch schon im Frühjahr 1924 musste er das Studium abbrechen, weil die Familie ihr Vermögen durch die Inflation verloren hatte.

So entschied er sich für den Journalismus und arbeitete zunächst als Sportberichterstatter für das Stuttgarter Tageblatt und andere Zeitungen in Südwestdeutschland. 1925 wechselte Kreiser auf Empfehlung von ► Erich Schairer nach Berlin und berichtete nun für das Berliner Tageblatt und andere Blätter über Sportereignisse.

In all diesen Jahren hatte sein Interesse an der flugtechnischen Forschung allerdings nicht nachgelassen – vor allem interessierte ihn die Entwicklung des Hubschraubers. Zusammen mit seinem Freund Walter Rieseler, ebenfalls ein Pionier im Flugwesen, bekam er am 24. Januar 1926 sogar das Patent für einen von ihnen entwickelten Hubschrauber.

So arbeitete er seit 1926 auch in einer Luftfahrtabteilung des Deutschen Verkehrsverbunds und ab 1929 im sog. „Sturmvogel“, einem Flugverband der Werktätigen. All diese Aktivitäten sorgten für seine konkreten Einblicke in die deutsche Flugzeugentwicklung und in das Flugwesen.

Seit seinem Umzug nach Berlin hatte er zudem Kontakte zu pazifistischen Kreisen, verständlich nach seinen eigenen Kriegserlebnissen und Verwundungen. So arbeitete er für die Deutsche Liga für Menschenrechte als Sachverständiger für Luftfahrtfragen. Und zwischen 1925 und 1927 veröffentlichte er zahlreiche Artikel zur Luftfahrtpolitik in Die Weltbühne und in Schairers Sonntagszeitung – unter dem Pseudonym "Konrad Widerhold".

Dann, am 12. März 1929, erschien unter dem Pseudonym Heinz Jäger in Die Weltbühne sein Artikel „Windiges aus der deutschen Luftfahrt“.

In diesem fünfeinhalbseitigen Bericht behandelte Kreiser anfangs eher allgemeine Fragen und Probleme zur deutschen Luftfahrt und berichtete erst am Schluss über eine Zusammenarbeit zwischen Reichswehr und Lufthansa, offensichtlich mit dem Ziel des Aufbaus einer Luftwaffe.

Solche Bestrebungen verletzten eindeutig die Versailler Verträge, denn Artikel 198 im Vertrag verbot den Aufbau deutscher Luftstreitkräfte. Eine Bestimmung, die vom Reichswehrministerium umgangen wurde, wie Kreiser bei seinen Recherchen herausgefunden hatte.

Die Reichswehr strengte nun einen Prozess an, der als „Weltbühne-Prozess“ weltweit bekannt wurde. Drei Jahre später endete er am 23. November 1931: Das Urteil lautete auf jeweils 18 Monate Haft für den Autor Walter Kreiser und den Weltbühne-Herausgeber ► Carl von Ossietzky.

Kreiser entzog sich der Haft und floh nach Frankreich. Dort veröffentlichte er weitere Details über den Prozessverlauf in L‘Echo de Paris. Auszüge aus diesen Berichten erschienen auch in der pazifistischen Zeitschrift Das andere Deutschland.

1934 wurde Walter Kreiser vom NS-Regime ausgebürgert. Kreiser ging später in die Schweiz und floh im April 1941 mit tschechischen Pässen auf der „Cabo de Hornos“ von Lissabon nach Brasilien, in einer Gruppe um den früheren Politiker Görgen aus dem Saargebiet, einem Retter zahlreicher Juden.

In Brasilien lebte Kreiser zunächst in Juiz de Fora, später dann in Rio de Janeiro sowie in einer Flüchtlingssiedlung. Er starb wahrscheinlich 1959 in Maringá.

(hhb)

 

Quellen

Kreiser, Walter / Deutsche Biographie

Kreiser, Walter / Deutsche National-Bibliothek

Walter Greiser Gets Year and a Half Jail Term / New York Times 24.11.1931

Manfred Messerschmidt: Eine deutsche Jagdszene / DIE ZEIT am 26.3.1993