Zum Tod von Michael Seufert

Ein resoluter Kämpfer für die Pressefreiheit

Das Haus der Pressefreiheit trauert um Michael Seufert.

Mit ihm verlieren wir nicht nur einen Mitbegründer, langjährigen Vorstand und prägenden Geist unseres Hauses. Wir verlieren einen Journalisten alter Schule – und zugleich einen erstaunlich modernen Denker. Einen, der wusste, dass Pressefreiheit kein Zustand ist, sondern eine Aufgabe. Jeden Tag neu.

Michael Seufert wurde 1943 in Bernburg an der Saale geboren. 1958 floh er mit seiner Mutter aus der DDR nach Hamburg. Diese frühe Erfahrung von Unfreiheit war kein biografisches Detail, sie war prägend. Sie schärfte seinen Blick für das, was Meinungsfreiheit bedeutet – und was ihr Verlust anrichtet.

Sein journalistischer Weg führte ihn von den „Bremer Nachrichten“ zum „stern“, wo er über Jahrzehnte arbeitete, zuletzt als stellvertretender Chefredakteur. Er leitete große Ressorts, verantwortete gewichtige Themen – und übernahm Verantwortung, als es darauf ankam. Nach dem Skandal um die gefälschten Hitler-Tagebücher gehörte er zu denen, die mit nüchterner Hartnäckigkeit und ohne Schonung aufklärten. Penibel recherchierend, unbeirrbar in der Sache, korrekt im Ton.

So arbeitete er immer: konstruktiv, lösungsorientiert, nie laut, nie eitel.

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Michael Seufert war kein Selbstdarsteller. Er war ein stiller Titan. Einer, der Wirkung höher schätzte als Wirkungstreffer. Einer, der Autorinnen und Autoren förderte, statt sich selbst ins Licht zu stellen. Einer, der an die Macht der Wörter glaubte – und deshalb sorgsam mit ihnen umging.

Diese Haltung brachte er auch in das Haus der Pressefreiheit ein. Als klar wurde, dass ein physisches Pressemuseum nicht zu realisieren war, gehörte er zu den treibenden Kräften, die die Idee in die digitale Gegenwart übersetzten. Aus einem Traum wurde ein Portal. Aus einer Vision ein Archiv lebendiger Auseinandersetzung.

Michael Seufert bestand darauf, dass das Haus der Pressefreiheit mehr sein müsse als eine Sammlung historischer Dokumente. Es sollte Angriffe auf Meinungs-, Presse- und Redaktionsfreiheit sichtbar machen. Es sollte Quellenschutz verteidigen. Es sollte selbstkritisch auf mediale Fehlentwicklungen blicken – gerade in Zeiten, in denen Geschwindigkeit oft vor Sorgfalt geht.

Er war bis 2022 im Vorstand aktiv und blieb dem Haus darüber hinaus als Ratgeber eng verbunden. Seine Stimme war nie schrill. Aber sie hatte Gewicht.

Und sie hatte Richtung.

Bis ins hohe Alter engagierte er sich – nicht nur für journalistische Strukturen, sondern auch für junge Menschen. Er half Jugendlichen, ihre eigene Stimme zu finden. Er glaubte daran, dass Pressefreiheit dort beginnt, wo Menschen den Mut finden, ihre Erfahrungen auszusprechen.

Michael Seufert ist im Februar 2026 im Alter von 82 Jahren gestorben.

Wir werden ihn vermissen.

Der Vorstand