Christian Friedrich Daniel Schubart

Der Dichter Schubart, ein Vertreter des „Sturm und-Drang“, war ein virtuoser Musiker und als Journalist ein Rebell gegen den Feudalismus. Als Herausgeber mehrerer Zeitschriften prangerte er das absolutistische System im damaligen Herzogtum Württemberg an und machte sich mit seinen Satiren über dessen Habgier und Dekadenz in aller Öffentlichkeit lustig. So wurde er zu einem Vordenker der südwestdeutschen Demokratie-Bewegung, was ihm aber auch zehn Jahre Kerkerhaft in der Festung Hohenasperg einbrachte.

Christian Friedrich Daniel Schubart wurde am 24. März 1739 in Obersontheim nahe Schwäbisch Hall geboren, als Sohn eines Lehrers und Kantors. Im Jahr darauf zog die Familie nach Aalen, wo Schubart seine Kindheit verbrachte. Zunächst besuchte er dort die Lateinschule, danach das Lyzeum bei Nördlingen und das Gymnasium „Schule zum Heiligen Geist“ in Nürnberg. Ab 1758 studierte er Theologie in Erlangen, musste das Studium aber aus finanziellen Gründen schon 1760 wieder abbrechen.

Er kehrte zu seinen Eltern zurück, um dem Vater zu helfen. Ab 1763 arbeitete er dann als Hilfslehrer, Stadtmusiker und Organist in Geislingen. Dort galt er wegen seines ungebundenen Lebensstils geradezu als Exot, in einer Zeit, die er selber so beschrieb: „Wein und Weiber waren die Skylla und Charybdis, die mich wechselweise in ihren Strudeln wirbelten.“ Das änderte sich erst, als er Anfang 1764 in Geislingen Helene Bühler heiratete, die Tochter eines Zollbeamten, und eine Familie gründete. 

article picture

Copyright: August Friedrich Oelenhainz - Projekt Gutenberg, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10633569

Schubart galt schon damals als Klaviervirtuose und guter Organist, was ihm 1769 die Position des Musikdirektors an der Stadtkirche in Ludwigsburg einbrachte. Dort setzte er sein unkonventionelles Leben fort, erlebte aber auch aus aller Nähe das dekadente Gehabe der Aristokratie und Geistlichkeit, was er wiederum ohne Scheu offen kritisierte. Durch solche Kritik und seinen als Provokation empfundenen eigenen Lebenswandel geriet Schubart wiederholt mit der Obrigkeit in Konflikt, was schließlich dazu führte, dass er 1773 des Landes verwiesen wurde. Zunächst sah er sich in mehreren süddeutschen Städten um, ging schließlich nach Augsburg und gab dort ab März 1774 die Zeitschrift Teutsche Chronik heraus. Wegen der Polemik darin, speziell gegen die Jesuiten, wurde das Blatt bald verboten, von ihm aber 1775 in Ulm jetzt als Deutsche Chronik erneut herausgegeben. Das Blatt soll damals wegen seines volkstümlichen Tons und seiner Tendenz zu Sturm und Drang zu den meist gelesenen Zeitungen in deutschen Landen gehört haben. Die Auflage erreichte bis zu 20.000 Exemplare.

Darin prangerte er vor allem den Verkauf württembergischer Landeskinder nach England an, die als Söldner in Nordamerika kämpfen mussten. Mit den Einnahmen finanzierte der regierende Fürst sein luxuriöses Leben. Über solchen Despotismus, über die Dekadenz und die aufwendigen Feste am württembergischen Hof spottete er scharfzüngig weiter. Ebenso über die zahlreichen Affären von Herzog Carl Eugen, insbesondere mit dessen Mätresse Franziska von Hohenheim. Die verspottete er als „Lichtputze, die glimmt und stinkt“.

Ein Klosteroberamtmann lockte Schubart auf württembergisches Staatsgebiet in Blaubeuren, wo er 1777 verhaftet und in der Asperger Festung eingesperrt wurde. Zehn Jahre lang wurde er dort ohne Gerichtsverfahren festgehalten und durfte in den ersten Jahren weder lesen noch schreiben. Später verfasste er in der Haft seine zweibändige Biographie „Leben und Gesinnung“ und sein berühmtestes Gedicht „Die Forelle“, das Franz Schubert vertonte.

Freunde und Bewunderer wie Herder oder Schiller besuchten ihn und feierten Schubart als Märtyrer und Freiheitshelden – aber freigelassen wurde Schubart erst im Mai 1787, nachdem sich auch Carl Eugen im Verlauf der Aufklärung langsam zu einem sorgenden Landesvater gewandelt und seine früheren Sünden öffentlich bedauert hatte.

Nach seiner Entlassung wurde Schubart als Entschädigung zum Musik- und Theaterdirektor am Hof zu Stuttgart ernannt. Dort gab er erneut seine Zeitschrift heraus, nun unter dem Titel Vaterländische Chronik.

Christian Friedrich Daniel Schubart starb am 10. Oktober 1791 im Alter von nur 52 Jahren in Stuttgart und wurde dort auf dem Spitalfriedhof, dem sogenannten Hoppebau beigesetzt.

 

(hhb)

 

Quellen:

Christian Friedrich Daniel Schubart / Projekt Gutenberg

Geislingen und Schubart: eine Hassliebe / Schubart-Gesellschaft

Michael Meyers: Schubart, Christian Friedrich Daniel / Deutsche Biographie

Christian Friedrich Daniel Schubart / Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

 

Bücherr:

Christian Friedrich Daniel Schubart: Zur Geschichte des menschlichen Herzens / Projekt Gutenberg (die Anekdote darin um die zwei ungleichen Brüder inspirierte Schiller für "Die Räuber")

Christian Friedrich Daniel Schubart: Leben und Gesinnungen / Edition Holzinger

Bernd J. Warneken: Schubart – Der unbürgerliche Bürger / Die andere Bibliothek