Rudolf Geck kam 1899 zur Frankfurter Zeitung – rund 36 Jahre lang befand sich das Feuilleton der Zeitung fortan weitgehend in seiner Obhut. Geck war ein Meister der „kleinen Form“, der dichterischen Plauderei. Seine Kurzgeschichten und Glossen waren voll von sanftem Spott. Geck erheiterte mit seinen humorvollen Erlebnisberichten die Leser, ohne damit zu verletzten. Er war ein Journalist der alten Schule, bürgerlich konservativ, auch als Kritiker.
Rudolf Geck wurde am 8. Juni 1868 in Elberfeld geboren. Er wuchs in einem Waisenhaus auf, besuchte die Volksschule und ging vermutlich bei einem Fotografen in die Lehre. Über das damalige Milieu in seiner Heimat, dem Bergischen Land, schrieb er eine seiner Schmunzelgeschichten: ►„Aus dem Wuppertal“. Er war und blieb sein Leben lang ein Autodidakt, hat niemals eine Universität besucht und sprach lediglich Deutsch, das aber perfekt. Schrieb schon in jungen Jahren Gedichte und kleine Artikel.
So wurde er Redakteur beim Fränkischen Kurier in Nürnberg, wo er seine „Kleinen Betrachtungen“ veröffentlichte. Darauf wurde Leopold Sonnemann aufmerksam, der Geck 1899 ins Feuilleton der Frankfurter Zeitung holte, wo sich dessen Chef Fedor Mamroth um ihn kümmerte. Mamroth war in jenem Jahr zu einer unfreiwilligen literarischen Berühmtheit geworden, weil er sich mit Karl May angelegt hatte und dessen Abenteuerromane als eine „dreiste Zumutung an die Leichtgläubigkeit von Kindern oder Idioten“ kritisiert hatte. Mamroth machte Geck zu seinem Stellvertreter und überließ ihm Raum für Theaterkritiken und die beim Leserpublikum bald sehr beliebten, weil auch nachdenklich machenden kleinen Schmunzel-Geschichten.
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Nach Mamroths Tod im Jahr 1907 wurde Geck Feuilletonchef der FZ, für ihn eine publizistische Spitzenposition, die er nun ohne höhere Schulbildung und Studium erreicht hatte. Auch Geck vertrat wie Mamroth eine eher konventionelle Haltung im politikfreien Kulturjournalismus der FZ, förderte aber junge Talente wie Siegfried Kracauer, Joseph Roth oder Benno Reifenberg, der Geck als seinen Lehrmeister bezeichnete und ab 1924 langsam sein Nachfolger wurde. Diesen jüngeren Kollegen hatte Geck immer genügend Freiräume gelassen für ihre Sicht auf die modernen Entwicklungen in Literatur, Kunst und Musik sowie für ihren Blick auf das in den zwanziger Jahren politischer gewordene aktuelle Theater.
Ab 1926 wollte sich Geck mehr Freiräume schaffen und gab daher die Ressortleitung endgültig ab. Er blieb aber auch unter Reifenberg Redaktionsmitglied und schrieb weiterhin aus seiner konservativ-bürgerlichen Sicht für die FZ. Gerade diese unterschiedlichen Sichtweisen machten das Feuilleton der Frankfurter Zeitung damals so besonders anregend.
Zwischen 1926 und 1932 sprach Rudolf Geck auch im Rundfunk, zum Beispiel in der Funkserie „Stunde der Frankfurter Zeitung“.
Selbst Monate nach der nationalsozialistischen Machtübernahme verzichtete Geck keineswegs auf ►Kritik an der verstörenden NS-Kulturpolitik. So äußerte er sich am 20. Mai 1933 in spöttischer Weise über die Bücherverbrennungen auf dem Frankfurter Römerberg und verglich deren Teilnehmer – Studenten, Professoren und sogar Pfarrer – mit den beiden Ochsen, die den mit Büchern beladenen Karren zu der Feuerstelle gezogen hatten.
Im Herbst 1933 musste Rudolf Geck die Leitung des FZ-Feuilletons erneut übernehmen, weil Reifenbergs Nachfolger, der Schweizer Friedrich T. Gubler, zur Vossischen nach Berlin wechselte.
Feuilletonchef der Frankfurter Zeitung blieb er bis zu seinem Tod. Rudolf Geck starb am 14. Januar 1936 in Frankfurt am Main
(hhb)
Quellen:
Rudolf Geck: So war das – Prosastücke; Societäts-Verlag Frankfurt, 1936
Über ►Geck im Frankfurter Personenlexikon
Über ►Geck in Deutsche Biographie