Die Flick-Affäre wurde in den 1980er Jahren aufgedeckt – sie entpuppte sich als ein gewaltiger politischer Skandal um verdeckte Parteispenden, die der Flick-Manager Eberhard von Brauchitsch „zur Pflege der politischen Landschaft“ an CDU, CSU, SPD und FDP verteilt hatte.
Zunächst ging es dabei offenbar um ein Aktiengeschäft des Flick-Konzerns im Jahr 1975, als Flick Daimler-Benz-Aktien im Wert von 1,9 Milliarden DM an die Deutsche Bank verkauft hatte und dafür beim Bundeswirtschaftsministerium Steuerbefreiung verlangte – weil das eine "förderungswürdige Reinvestition" gewesen sei. Die sonst zu zahlenden Steuern hätten etwa 986 Millionen DM ausgemacht.
Die beiden Wirtschaftsminister in diesen Jahren waren Hans Friderichs/CDU und Otto Graf Lambsdorff/FDP – beide erteilten eine Genehmigung zur Steuerbefreiung. Die angekündigte Investition wurde jedoch nicht umgesetzt - dafür erhielten nun alle etablierten Parteien vom Flick-Konzern Millionenbeträge, die als Betriebsausgaben getarnt waren. Zwischen 1969 und 1980 sollen rund 15 Millionen DM an CDU/CSU geflossen sein, 6,5 Millionen an die FDP und 4,3 Millionen an die SPD. Offenbar waren diese Zahlungen aber nur die Spitze des wirklich gezahlten "finanziellen Eisbergs", an die Union zum Beispiel über die Spendenwaschanlage Soverdia GmbH eines katholischen Ordens.
Steuerprüfungen und Recherchen von Journalisten hatten den Skandal schließlich aufgedeckt, was 1984 zum Rücktritt von Wirtschaftsminister Graf Lambsdorff führte. Von Brauchitsch musste eine Geldbuße von 550.000 DM zahlen – doch kein Politiker wurde wegen Bestechlichkeit geahndet.
Die wohl ganze Wahrheit kam erst 2017 heraus, durch Stefan Lambys zweiten Dokumentarfilm Bimbes – die schwarzen Kassen des Helmut Kohl.
(hhb)
16.6.1983: Deutscher Bundestag 1. Untersuchungsausschuß tagt zur Flick-Parteispendenaffäre
Copyright: Bundesarchiv B 145 Bild-F065978-0009; Foto Engelbert Reineke
Quellen
Hausmitteilung: Parteispenden / SPIEGEL 52/1981 vom 21.12.1981
Parteispenden – Tätige Reue / SPIEGEL 52/1981 vom 21.12.1981
Steyler Mission – Alle reicher / SPIEGEL 2/1982 vom 10.1.1982
Parteispenden – Mehrfach gestört / SPIEGEL 3/1982 vom 17.1.1982
Parteien – In Watte / SPIEGEL 3/1982 vom 17.1.1982
SPD verwirft Amnestie / SPIEGEL 4/1982 am 24.1.1982
Spendenaffäre – Menschliches Verständnis / SPIEGEL 5/1982 am 30.1.1982
Paul Lersch + Dirk Koch: So gut wie alle haben nichts gewusst / SPIEGEL 6/1982 am 7.2.1982
Parteifinanzen: Klagen, ohne zu leiden / SPIEGEL 6/1982 am 7.2.1982
Schwarzgeld – Stasi belauschte wichtige CDU-Finanzexperten / SPIEGEL am 28.3.2000
Letztes Kapitel der CDU-Schwarzgeldaffäre / Gießener Anzeiger am 4.9.2006
Die Flick-Affäre – Ein Mann kaufte die Republik / SPIEGEL am 6.10.2006
29. November 2007 – vor 25 Jahren: SPIEGEL veröffentlicht Vernehmungsprotokolle / WDR am 29.11.2007
Armin Käfer: Helmut Kohl und sein ‚Bimbes‘ / Stuttgarter Zeitung am 5.12.2017
Flick-Affäre: Staatsanwälte ermitteln
SPIEGEL 9/1982 vom 28.2.1982
Die öffentliche Wirkung ist verheerend / SPIEGEL 9/1982
Rudolf Augstein: Kann Schmidt, was er kann? / SPIEGEL 9/1982
Flick krempelt Management um / SPIEGEL 11/1982 vom 14.3.1982
Flick-Affäre – die Vernehmungsprotokolle
SPIEGEL 48/1982 am 28.11.1982
Hausmitteilung Titel / SPIEGEL 48/1982
Muss Flick 450 Millionen nachzahlen? / SPIEGEL 47/1982 vom 21.11.1982
Haben wir eine Bakschisch-Republik? / SPIEGEL 49/1982 vom 5.12.1982
Rudolf Augstein: Der Fall der weißen Westen / SPIEGEL 49/1982 vom 5.12.1982
Steuern – Weiße Salbe / SPIEGEL 49/1982 vom 5.12.1982
Flick-Affäre – Chef-Lobbyist
SPIEGEL 4/1983 vom 23.1.1983
Hausmitteilung Titel / SPIEGEL 4/1983
Sieben Millionen Abfindung / SPIEGEL 5/1983 vom 30.1.1983
Flick-Affäre - Flick Zahlmeister der Republik
SPIEGEL 44/1984 vom 28.10.1984
Flick – ein Mann kauft die Republik / SPIEGEL 44/1984
Flick-Affäre: Flick macht Kasse
SPIEGEL 50/1985 vom 8.12.1985
Hausmitteilung: Flick-Verkauf / Der Spiegel 50/1985
Flick: Ende eines Imperiums / Der Spiegel 50/1985